Was ist eigentlich….Chinesische Kräutertherapie?

Mit der Akupunktur können eine ganze Reihe verschiedener Erkrankungen behandelt werden. Um die einigen hundert verschiedenen Punkte, verschiedenen Konzepte und Kombinationen bekannt, verstanden und verinnerlicht sind, braucht es schon eine ganze Menge an Lernen und Erfahrung. Doch im Vergleich zur chinesischen Phytotherapie, der zweiten Säule und wohl wichtigsten, ist die Akupunktur noch einfach. Diese ist jedoch im Vergleich zur Akupunktur noch um einiges wirksamer aber auch viel komplexer.

Chinesische Phytotherapie?
Die Liste der Pflanzen, die in der chinesischen Phytotherapie zum Einsatz kommen ist lang. Einige tausend sind es, die über die Jahrtausende zusammen kamen! Das besondere ist auch, dass im geringen Umfang auch Mineralien und Tierbestandteile zum Einsatz kommen. In unserem heutigen Einsatz reduziert sich die Liste auf „nur“ noch einige hundert Therapeutika.

Die Therapeutika werden eingeteilt, und zwar nach ihrem Geschmack, nach ihrer Temperatur, der Wirkrichtung und dies in Bezug auf die einzelnen Funktionskreise. Das allein stellt westliche Therapeuten vor eine große Herausforderung. Denn die Namen sind chinesisch, wenn auch mit Hilfe von Pinyin lesbar, und den botanischen Namen angegeben, dazu noch Deutsch oder Englisch. Die Chinesische Medizin nutzt unterschiedliche Teile der Pflanze wie Wurzel, Blüte, Rinde, Blätter, mehr die westliche Kräutermedizin. Dazu kommt noch oft eine Art der Zubereitung vor der eigentlichen Nutzung. Und natürlich, was das Kraut kann, für was es eingesetzt wird, z.B. das Qi zu tonisieren.

Das wirklich Herausragende ist, dass man in der chinesischen Kräutermedizin nicht mit Einzelkräutern arbeitet, sondern Rezepte zusammenstellt. Ein Rezept ist hierarchisch aufgebaut, wie es dem hierarchischen Denken im alten China entspricht. Ein oder zwei „Kaiser“kräuter sind die, auf denen die Hauptwirkung beruht. Der Kaiser hat aber noch „Minister“kräuter, die die Wirkung gezielter machen, die Wirkung unterstützen. „Adjudanten“- oder Generalkräuter kommen hinzu, um Nebensymptome zu behandeln und eine Art „Pufferwirkung“ entfalten. Zuletzt gibt es noch „Gesandte“kräuter, mit denen es sogar möglich ist, die Rezeptur in einen bestimmten Körperteil zu lenken. Der Gesandte rundet die Rezepturen aber am Ende auch ab, ist eben ein Botschafter, der unter den Kräutern für Ausgewogenheit sorgt.

Aus vielen Rezeptbüchern sind über die Jahrhunderte eine hundert (Grund-) Rezepturen zusammengekommen, vor allem für Menschen, aber auch für Tiere. Nutztiere wie Pferde, Kamele, Rinder und sogar Geflügel waren eben wertvoll. Einige Rezepte sind berühmte Klassiker. Die Kunst, ein Rezept anhand einer Anamnese zu finden und ggf. bedarfsabhängig zu modifizieren, erfordert viel Erfahrung. Das Studium von Monografien und Rezeptbüchern ist oft Fällen Pflicht.

Heute sind die verwendeten Pflanzen und Rezepte auch nach westlichem Maßstab schon sehr gut erforscht und mit westlichen Indikationen versehen. Einige Stoffe sind auch aus gutem Grund verschwunden. Es wird zunehmend weltweit auf diesem Gebiet geforscht, er große Schatz zunehmend gewürdigt.

Beschaffung:

Finger weg von Fertigpräparaten aus dem Internet!

Chinesische Kräuter sind apothekenpflichtig, teilweise auch verschreibungspflichtig und damit dem (Tier)arzt vorbehalten. Das ist auch richtig so. Nur so lässt sich eine entsprechende Qualität sicher stellen und Artenschutz einhalten. Das gilt für westliche Kräuter, nebenbei, genauso. Ein Tierheilpraktiker darf nicht direkt abgeben oder mischen. Das Rezept wird durch den THP bei einer spezialisierten Apotheke bestellt und direkt an die Tierhalter geschickt und auch verrechnet. Wir THP verdienen in der Kette nichts und rechnen daher den Aufwand für die Ermittlung der Rezeptur und die Bestellung ab.

Gabe? Denkbar einfach

Ursprünglich werden die Rezepte aus den Rohdrogen oder Pulvern oft als sog. Dekokt (Abkochung, das ist nicht Tee) verarbeitet und verabreicht. Weil das aber sehr zeitaufwändig und umständlich ist, arbeiten wir meist mit Granulaten. Ein pharmazeutisches Werk bereitet den Dekokt zu, konzertiert ihn und sprüht in auf einen Trägerstoff auf. Am Ende bleibt es für den Anwender bei der Gabe von ein bis wenigen Gramm, die mit einem kleinen Messlöffel dosiert werden. Der Therapeut gibt dem Tierhalter die Info, wie er Tier das Granulat.

Die Chinesischen Kräuter sind für manche Tierhalter etwas spooky. Aber wir werden in einem der kommenden Artikel sehen, dass West und Ost teils auch dieselben Arzneidrogen nutzen.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine Darstellung der Praxis KomplemenThera. Keinesfalls darf diese als allgemeine (Behandlungs)-empfehlung verstanden werden. Ebenso darf hieraus keine allgemeine Aussicht auf Heilung (Heilversprechen) abgeleitet werden. Bei dringenden und lebensbedrohlichen Notfällen, wie z.B. Verdacht auf Kolik, Magendrehung (Hund), größeren Verletzungen, starken Lahmheiten, (Verdacht auf) Vergiftungen muss umgehend ein Tierarzt//Tierklinik konsultiert werden.
Bildnachweis: Stephanie Koob©