Phytotherapie, die Kraft der Pflanze – Gedanken zur zunehmenden Antibiotikaresistenz Teil 1

kleiner Blick auf einen Teil meiner eigenen Fachbibliothek

Ärzte Zeitung Online, 19.06.2019: „Die Antibiotikaresistenz droht, 100 Jahre medizinischen Fortschritt zunichte zu machen . . .“

Es ist nicht erst seit kurzem bekannt – mehr und mehr Erreger von schweren Infektionskrankheiten sind resistent gegen die Arzneimittel, die die Menschheit gegen sie fand und erfand. Wir sprechen nicht nur von Bakterien, sondern auch von Parasiten, also bei unseren Tieren z.B. auch von Würmern.

Warum eigentlich? Bakterien, Einzeller und kleine Mehrzeller, die bei uns und unseren Tieren Krankheiten hervorrufen, vermehren sich schnell sehr, sehr schnell. Die Generationen folgen Schlag auf Schlag aufeinander. Damit haben sie einen Vorteil bei der Schnelligkeit der Anpassung an Lebensumstände. Evolution ist Anpassung und dazu gehört eben auch die Anpassung an eine unangenehme Umgebung, sprich eine, in der z.B. vermehrt Antibiotika vorkommen.

Ein Fall aus meiner Praxis: Eine Katze hatte seit mehreren Monaten ein entzündetes Krallenbett. Behandelt worden war sie mit einem Breitbandantibiotikum und Schmerzmitteln. Doch die Entzündung ging nicht zurück. Die Katze begann mehr und mehr zu lecken und ein Teufelskreis war in Gang gekommen. Als nächstes sollte die Kralle gezogen werden. Ein durch mich genommener einfacher Abstrich und das Ergebnis des Fachlabors zeigte kurz darauf, der in dem Fall tatsächlich bakterielle Erreger (es hätte z.B. auch ein Pilz sein können) war geben das Antibiotikum resistent und außer einer langen Rechnung und einem mittlerweile völlig genervten Frauchen und Katze war der Effekt gleich null. Nach nur dreimaliger Lasertherapie und der Umstellung auf eine andere aber konsequente Wundbehandlung ohne Antibiotika und die Entzündung war rasch Geschichte.

Während nicht nur in Bayern eine völlig unfachliche und unsachliche Debatte entbrannt ist, weil man es dort auch es nur wagt, eine Studie (und nur eine Studie allein) über den Einsatz von Homöopathika zu beginnen mit dem Fragestellung, den Einsatz von Antibiotika möglicherweise zu verringern (und nein, eben nicht bei schweren Krankheiten zu ersetzten) werden teilweise in der Landwirtschaft und der Tiermedizin teilweise ungehemmt Antibiotika eingesetzt, ohne den jeweiligen Erreger bestimmt zu haben und damit die Wirksamkeit eines Mittels überhaupt haben zu können. Und auch teils ohne jede Notwendigkeit bei einem noch so kleinen „Infektlein“ oder was auch nur den Anschein eines Infekts haben könnte.

Phytotherapie ist komplex, der Hauptunterschied ist – man hat ein Wirkstoffgemisch, das in einer Pflanze vorkommt (also viele Bestandteile, sog. sekundäre Pflanzenstoffe) und umso mehr, wenn man mehrere Pflanzen einsetzt, wie das die Chinesische Phytotherapie meisterhaft seit Jahrtausenden macht.

Auch unsere Krankheiten sind meist auch multifaktoriell, das heißt, haben mehrere Ursachen bzw. die Krankheit wirkt im Körper an mehreren „Stellen“ auf unterschiedliche Weise ein. Und so begegnen sich bei der Phytotherapie mehrere Wirkstoffanteile und mehrere körperliche Faktoren. Nicht einfach – aber genial! Fachschlau haben wir mit der Phytotherapie eine Multi-Target Wirkstoffspektrum. Synthetische Arzneimittel sind meist Mono-Target Wirkstoffe.

Sowohl in unserem Kulturkreis als auch in der Chinesischen Medizin liegt ein Schatz vieler hunderter Pflanzen und Pflanzenteile und unterschiedlicher Zubereitungen und Mischungen daraus. Mehr und mehr sind sie erforscht und weiß man um die Wirkung. Oft wirken die einen Wirkstoffe gegen einen Erreger selbst und andere fördern die Immunabwehr.

Antibiotika sind so wertvoll! Sie sind zu wertvoll, um ihren Wert aus reiner Bequemlichkeit oder wegen finanzieller Vorteile zu verprassen. Ihr habt nicht nur bei Euren Tieren in vielen Fällen die Möglichkeit selbst zu entscheiden!

Goethe sagte: „Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.“

Hinweis: Dieser Artikel ist eine Darstellung der Praxis KomplemenThera. Keinesfalls darf diese als allgemeine (Behandlungs)-empfehlung verstanden werden. Ebenso darf hieraus keine allgemeine Aussicht auf Heilung (Heilversprechen) abgeleitet werden. Bei dringenden und lebensbedrohlichen Notfällen, wie z.B. Verdacht auf Kolik, Magendrehung (Hund), größeren Verletzungen, starken Lahmheiten, (Verdacht auf) Vergiftungen muss umgehend ein Tierarzt//Tierklinik konsultiert werden. Ich werde  ggf. Behandlungen, die aus meiner Sicht der sofortigen Behandlung durch einen Tierarzt bedürfen, ablehnen.
Bildrechte: Stephanie Koob, KomplemenThera